Am Freitag wurde Japan vom schwersten Erdbeben in seiner Geschichte erschüttert. In dessen Folge kam es zu einem Tsunami, der wohl Tausenden Menschen das Leben gekostet haben dürfte und Städte und Industrieanlagen dem Erdboden gleichgemacht hatte. In der Nacht kam es zu weiteren Nachbeben verbunden mit erneuten Tsunami-Warnungen.
Am Freitag um 15.26 Uhr Ortszeit wurde Japans Nordostküste von einer grauen Wasserwalze überflutet. Der Tsunami riss Städte mit sich und begrub ganze Landstriche unter einem Strom aus Trümmern, Booten, Autos und Häusern. Das Wasser drang mehrere Hundert Meter ins Landesinnere vor und hinterließ dabei eine Spur der Verwüstung. In der Präfektur Fukushima sind nach Behördenangaben mehr als 1800 Häuser zerstört worden. Die Rede ist von mindestens eintausend Todesopfern.
Der Tsunami wurde durch ein Erdbeben der Stärke 8,8 auf der nach oben offenen Richterskala ausgelöst. Das Epizentrum des Bebens befand sich vor der japanischen Küste unweit der Millionenstadt Sendai. Der Hafen der Stadt wurde von einer zehn Meter hohen Flutwelle getroffen. Da die Behörden im Vorfeld eine Tsunami-Warnung herausgaben, konnten 70000 Menschen rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Der Flughafen wurde von der Flutwelle überschwemmt, zahlreiche Brände brachen in der Stadt aus und ein Hotel wurde zum Einsturz gebracht. Fernsehbilder zeigten den Küstenort Kamaichi. Es war zu sehen, wie Autos, Lastwagen und Boote von der Welle wie Spielzeug herumgewirbelt wurden. Die japanische Küstenwache gab bekannt, dass 80 Hafenarbeiter vermisst werden. Diese arbeiteten auf einem Schiff, welches vom Tsunami aus einer Hafenanlage gespült wurde.
Insgesamt ist ein Küstenabschnitt von etwa 2100 Kilometern Länge von der Katastrophe betroffen. Die Zeitung „Mainichi“ berichtete, dass in der Stadt Sendai 326000 Haushalte ohne Gasversorgung seien. Im Nordosten des Landes und in der Gegend um die Hauptstadt Tokio seien etwa 80000 Bewohner ohne Wasserversorgung. Das Mobilfunknetz sei eingeschränkt, da Tausende Sendemasten außer Betrieb seien, berichtete die Zeitung weiter. Außerdem seien sieben Millionen Haushalte ohne Strom.
Das Beben war auch in Tokio deutlich zu spüren. In der Innenstadt schwankten Gebäude und Menschen rannten panisch auf die Straßen. Züge wurden automatisch gestoppt, woraufhin Millionen von Pendlern festsaßen. Viele Pendler machten sich zu Fuß auf den Weg und verstopften so die Straßen. Auch auf den Flughäfen ging nichts mehr. Über 20000 Reisende saßen fest.
Sorgen bereitet das Atomkraftwerk Fukushima. Dort fiel das Kühlsystem aus und der Kühlwasserstand sank. Die Techniker des Kraftwerks versuchten die Notstromversorgung zu starten, um Kühlwasser in die Reaktoren pumpen zu können. Im Umkreis von drei Kilometern um das Atomkraftwerk wurden Anwohner evakuiert. Die Techniker planen, radioaktiven Dampf abzulassen, um den Druck im Reaktor zu senken. Dabei kann es zum Austritt geringer Mengen Radioaktivität kommen. Vorsorglich riefen die Behörden den atomaren Notstand aus, versicherten aber gleichzeitig, dass keinerlei radioaktives Material ausgetreten sei.